Teil 2 für kirchlich Interessierte: Trauerfeier für einen verstorbenen Pater

Diesen Blogbeitrag habe ich schon vor längerem geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht.

Ziemlich am Anfang meines Aufenthalts in Tiruvalla, direkt am Tag nach der Hochzeit, bei der wir waren, fand eine Trauerfeier für einen verstorbenen Pater statt. Mich hat diese Feier sehr beeindruckt, so dass ich euch an den Erfahrungen gerne teilhaben lasse.

Schon seit dem Abend vorher wurde fast ununterbrochen gesungen, insgesamt gab es acht Teile der Totenmesse. Die Trauerfeier, an der wir teilgenommen haben, war der letzte Teil, an den sich die Beerdigung auf dem Friedhof anschloss.

Bei der Trauerfeier saß ich mit meiner Klasse auf der Empore und konnte von oben alles sehen.

Es war eine sehr lange und unglaublich beeindruckende Feier nach syro-malankarischem Ritus. Viele Pater aus anderen Ashrams waren angereist und zeigten sich in vollem Ornat. Die Kirche war sehr voll.

Alle acht Teile der Totenmesse und die Beerdigung wurden live übertragen für diejenigen, die nicht anreisen konnten. Die Aufnahme ist in voller Länge als 8,5-stündiges YouTube-Video hier zu sehen https://www.youtube.com/watch?v=LL97R58ezPM

Der Verstorbene lag in einem offenen Sarg in der Mitte der Kirche, um ihn herum die anderen Pater gruppiert, so als ob sie ihn in ihre Mitte nehmen würden. Die Verwandten und andere nahestehende Öl Menschen gingen während der Trauerfeier zum Sarg und küssten die Hand des Verstorbenen.

In der Videoaufnahme wird er oft in Großaufnahme gezeigt. Offenbar besteht hier wenig Scheu, einen Verstorbenen anzuschauen oder zu berühren.

Meine Schülerinnen sagten, es sei bei allen christlichen Beerdigungen so, dass man im Gottesdienst am offenen Sarg Abschied nehmen kann.

Es wurde die ganze Zeit gesungen, bis auf die Trauerrede des Erzbischofs. Am Ende der Trauerfeier trugen neun Pater unter Gesängen den Sarg zu drei Ausgängen der Kirche und wieder zurück, vor den Altarraum. Immer wieder haben sie singend das Kopfteil des Sargs angehoben, damit der Verstorbene mit Weihrauch beräuchert werden konnte.

Nach der Trauerfeier gab es eine weitere kürzere Zeremonie auf dem Friedhof, ähnlich wie eine Beerdigung bei uns. Aber statt Erde ins Grab zu werfen, hatten alle eine Handvoll getrocknetes Harz von einem Weihrauchbaum bekommen, das sie dann auf den Sarg warfen.

Seither finden an seinem Grab immer wieder kurze Totengedenkmessen statt.

Vor kurzem waren Angehörige eines vor 65 Jahren verstorbenen Paters im Ashram. Keiner davon kannte den Verstorbenen persönlich, aber alle ca 15 Leute treffen sich an seinem Todestag zum Gottesdienst und Totengedenken und hinterher zum Frühstück im Ashram.


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Ein Gedanke zu „Teil 2 für kirchlich Interessierte: Trauerfeier für einen verstorbenen Pater“

  1. Liebe Sigrid,
    andere Kulturen, andere Sitten. Die Zeremonie bei einer Trauerfeier scheint ja doch um einiges umfangreicxher zu sein als bei uns.
    Nun heisst es wirklich Abschied zu nehmen aus Indien.
    Guten Rückflug und guten Rutsch.
    Lieben Gruß
    Gert

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