Ich wünsche allen ein wunderbares neues Jahr!

Euch allen einen guten Rutsch und glückliches und gesundes neues Jahr ❤️. Ich wünsche euch und mir, dass wir trotz aller äußeren Herausforderungen innerlich gestärkt in guter Verbindung mit uns selbst und anderen bleiben können.

Wandbild in Lakefront Beach Homes
Wandbild

Ich habe ein paar Tage verlängert und fliege heute Nacht (1.1.) um 4.00 Uhr nach Berlin zurück. Euer Silvester erlebe ich also zwischen Himmel und Erde, und das ist ein echter Übergang.

Die letzten paar Tage habe ich wie schon im März in Cherai Beach verbracht, in Lakefront Beach Homes, einem kleinen Yoga- und Ayurvedazentrum, hatte ein paar ayurvedische Massagen und jeden Tag Yoga auf der Terrasse. Zusätzlich leckeres Essen…. Und gestern zum Abschied eine geteilte Flasche Kingfisher Bier…😉

Yoga mit Shari, der Inhaberin und Yogalehrerin
Sonnenaufgang
Blick vom Wasser aus, auf der Bootsfahrt kurz vor meiner Abreise

Typisch indisch? Typisch für Kerala?

Ganz zum Schluss ein paar letzte Impressionen aus dem Alltag in Kerala….

Warmes Frühstück, wie auch Mittag- und Abendessen. Es wird nur mit der rechten Hand gegessen. Die Finger sind temperaturempfindlicher als der Mund, daher besteht keine Gefahr, sich den Mund zu verbrennen.

Zum Thema Hygiene: ich habe die indischen Gewohnheiten schätzen gelernt…

Eimer und Becher zum Duschen, denn aus der Dusche kommt meist nur kaltes Wasser

Traditionell gibt es Hocktoiletten, bei uns als Stehklos bekannt, aber immer mehr setzen sich westliche Toiletten durch. Es wird kein Toilettenpapier benutzt, sondern Wasser. Entweder ist obiger Eimer mit Becher da, aber meistens eine kleine Dusche.

Diese praktische kleine Dusche ist für den Toilettengang. Dafür wird die linke Hand benutzt und ist daher für Essen o.ä. tabu.
Die Schuhe bleiben außen vor: vor Wohnräumen, Tempeln, Kirchen und kleinen Geschäften
Strandszene: viele Menschen können nicht schwimmen, bleiben in Gruppen, oft an den Händen gefasst, am Strand und lassen sich von den Wellen nassspritzen oder gehen in voller Montur ins Wasser
Blüten über Blüten
Auch das gehört leider zum Alltag: kleine Müllecken an vielen Stellen, die vor sich hinkokeln. Eine Müllabfuhr habe ich die Wochen über nicht gesehen.
Autorickshaw oder auch Auto genannt für kurze Strecken. Schade, dass ich das typische Knattern nicht darstellen kann
Überall diese Stände für eine gesunde Zwischenmahlzeit. Die Kokosnuss wird aufgeschlagen, und mit einem Strohhalm wird die Kokosmilch getrunken. Danach wird die Kokosnuss geteilt und das Fruchtfleisch herausgekratzt. Sehr erfrischend und lecker!
Kleine Stände überall
Sehr untypisch: eine indische Frau mit kurzen Haaren, die erste und einzige, die ich gesehen habe.

Nun beende ich den Blog über diese Reise.

Vielen Dank für das Mitverfolgen meiner Reise und danke für eure Kommentare, Nachrichten und Hinweise. Das hat mich mit euch verbunden 🙂.

Lasst uns weiter in Verbindung bleiben und lasst es euch gut gehen!

Bis bald in Berlin oder anderswo!

Teil 2 für kirchlich Interessierte: Trauerfeier für einen verstorbenen Pater

Diesen Blogbeitrag habe ich schon vor längerem geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht.

Ziemlich am Anfang meines Aufenthalts in Tiruvalla, direkt am Tag nach der Hochzeit, bei der wir waren, fand eine Trauerfeier für einen verstorbenen Pater statt. Mich hat diese Feier sehr beeindruckt, so dass ich euch an den Erfahrungen gerne teilhaben lasse.

Schon seit dem Abend vorher wurde fast ununterbrochen gesungen, insgesamt gab es acht Teile der Totenmesse. Die Trauerfeier, an der wir teilgenommen haben, war der letzte Teil, an den sich die Beerdigung auf dem Friedhof anschloss.

Bei der Trauerfeier saß ich mit meiner Klasse auf der Empore und konnte von oben alles sehen.

Es war eine sehr lange und unglaublich beeindruckende Feier nach syro-malankarischem Ritus. Viele Pater aus anderen Ashrams waren angereist und zeigten sich in vollem Ornat. Die Kirche war sehr voll.

Alle acht Teile der Totenmesse und die Beerdigung wurden live übertragen für diejenigen, die nicht anreisen konnten. Die Aufnahme ist in voller Länge als 8,5-stündiges YouTube-Video hier zu sehen https://www.youtube.com/watch?v=LL97R58ezPM

Der Verstorbene lag in einem offenen Sarg in der Mitte der Kirche, um ihn herum die anderen Pater gruppiert, so als ob sie ihn in ihre Mitte nehmen würden. Die Verwandten und andere nahestehende Öl Menschen gingen während der Trauerfeier zum Sarg und küssten die Hand des Verstorbenen.

In der Videoaufnahme wird er oft in Großaufnahme gezeigt. Offenbar besteht hier wenig Scheu, einen Verstorbenen anzuschauen oder zu berühren.

Meine Schülerinnen sagten, es sei bei allen christlichen Beerdigungen so, dass man im Gottesdienst am offenen Sarg Abschied nehmen kann.

Es wurde die ganze Zeit gesungen, bis auf die Trauerrede des Erzbischofs. Am Ende der Trauerfeier trugen neun Pater unter Gesängen den Sarg zu drei Ausgängen der Kirche und wieder zurück, vor den Altarraum. Immer wieder haben sie singend das Kopfteil des Sargs angehoben, damit der Verstorbene mit Weihrauch beräuchert werden konnte.

Nach der Trauerfeier gab es eine weitere kürzere Zeremonie auf dem Friedhof, ähnlich wie eine Beerdigung bei uns. Aber statt Erde ins Grab zu werfen, hatten alle eine Handvoll getrocknetes Harz von einem Weihrauchbaum bekommen, das sie dann auf den Sarg warfen.

Seither finden an seinem Grab immer wieder kurze Totengedenkmessen statt.

Vor kurzem waren Angehörige eines vor 65 Jahren verstorbenen Paters im Ashram. Keiner davon kannte den Verstorbenen persönlich, aber alle ca 15 Leute treffen sich an seinem Todestag zum Gottesdienst und Totengedenken und hinterher zum Frühstück im Ashram.

Ausflug in die Berge

Drei wunderschöne Tage waren P. Antony und ich kurz vor Weihnachten in den Bergen. Meine größte Befürchtung vor der Reise war der oft dichte und chaotische Verkehr, und P. Antony fuhr auf meine Bitte hin auch die ersten beiden Tage gemütlich langsam und zivilisiert. Der erste Halt war Vagamon.

Pine valley in Vagamon, mal keine Palmen, sondern Kiefern wie in Berlin
Am Vormittag leckere Kokosmilch und danach das Fruchtfleisch auskratzen. Mmmmhhhh🙂
Typische Handhaltung
Bei der Flower Show in Vagamon gibt es neben Pflanzen auch viele Lichter
Eine nette Familie in der Blumenhalle 🙂

Übernachtet haben wir in einem Ashram in Nedukandam, in dem nur drei Personen leben. Er steht am Hang mitten in einer Kardamomplantage, ist sehr verwinkelt, mit vielen Treppen und dunkel drinnen. Eine echte Klause. Hier ist mir noch einmal aufgefallen, wie sehr die Architektur meine Stimmung beeinflussen kann. Zudem ist es nachts ziemlich kalt, so dass ich zum Schlafen mehrere Lagen anziehe.

Bei einer Kardamompflanze, hier unten wachsen die Samenkapseln

Am nächsten Tag Weiterfahrt über einen Berg, Ramakkalmedu, zu einem kleinen Windpark und einer Weintraubenplantage.

Ein beliebtes Ausflugsziel

In Thekkady gibt es einen See, den die Briten angelegt haben, aber wir konnten ihn nicht erreichen. Dafür wollte P. Antony unbedingt auf einem Elefanten reiten, ich überhaupt nicht, habe mich dann doch überreden lassen. Nachdem wir eine Stunde gewartet haben und einen langen lautstarken Streit über die Reihenfolge mitbekommen haben, ging es etwa eine Viertelstunde durch den Wald. Es war schon ein besonderes Erlebnis.

Wir besuchen noch einen ayurvedischen Kräutergarten und sind dann nach Adimali in den Ashram weitergefahren, wo ich im März den Kontakt mit dem Institute for Language Studies in Tiruvalla aufgenommen habe.

Im Garten des ashrams
Frühmorgens schwimme ich in diesem sauberen Fluss – ein Genuss
Nach dem leckeren Frühstück mit selbst gemachten Reisnudeln und Eicurry
Auf dem Grundstück des ashrams, mit vielen Nutzpflanzen wie Kardamom, Kokospalmen und Bananen
Eine Engelsfigur auf dem Grundstück in einer Höhle, mit offenem Grab daneben, symbolisiert die Auferstehung
Überraschungsbesuch bei Rateesh und seiner Familie, in deren homestay ich im März war

Auf der Rückfahrt von Adimali sind wir noch zum Mittagessen eingeladen und besuchen nochmal einen Ayurveda Kräutergarten.

Wilde Bananenstaude
Shatavari, ein Frauenkraut

P. Antony muss um halb fünf zurück in Tiruvalla sein. Unterwegs gibt es eine Umleitung, so dass er unter ziemlichen Zeitdruck gerät und sehr schnell fährt und oft sehr spitzig überholt. Aber er ist ein sicherer Fahrer, so dass ich manchmal nur die Augen schließe, wenn es brenzlig zu werden droht. 😉

Advent und Weihnachten

Heute ist Heiligabend, und ich wünsche allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten!

Advent und Weihnachten sind in Kerala nicht besinnlich, sondern laut, bunt und fröhlich.

Eine Tradition im Advent ist das Carol singen. Fast jeden Abend kam eine etwa 20-köpfige Jugendgruppe aus anderen Gemeinden hier an, mal im Institut, mal im Altersheim, mit lautem Getöse, Trommeln, einem tanzenden Weihnachtsmann. Die tanzenden und klatschenden Jugendlichen und haben lautstark ein oder zwei Christmas carols auf Malayalam gesungen.

Alle haben Weihnachtsmannmützen auf

Hier eine kleine Kostprobe über YouTube: https://youtu.be/PPOvUrQAA4E

Im Advent werden die Häuser alle mit glitzernden und blinkenden Lichtern geschmückt. Die Leute bauen in ihren Gärten oder Häusern Krippen auf. Es gibt auch kleine Weihnachtsbäume aus Plastik, bunt geschmückt.

Ein paar Beispiele:

Diese Krippe steht im Garten einer Hindufamilie

Tradition ist auch, dass man sich im Advent gegenseitig besucht und Plumcake isst, einen Weihnachtskuchen aus Rührteig und Rosinen oder anderen Trockenfrüchten. Gestern waren wir in ein Haus eingeladen, und der Hausherr hat den Plumcake mit allen geteilt und P. Antony ein Stück in den Mund gegeben.

Gemeinsam wird der Kuchen angeschnitten

Heiligabend

An Heiligabend gehen alle um halb sieben oder um Mitternacht in die Kirche, es wird lange gebetet und ein langer Gottesdienst gefeiert. Ich war heute mit P. Antony in seiner Gemeinde. Nach einer Stunde Gebet immer im Wechselgesang bekam jede/r eine Kerze und eine Handvoll Weihrauch, und alle sind nach draußen vor die Kirche gegangen, wo ein Feuer entzündet wurde und jede/r am Ende den Weihrauch hineingeworfen hat.

Frauen mit Kerzen

Insgesamt hat der Gottesdienst fast vier Stunden gedauert, für mich eine echte Geduldsprobe, aber die aktiv singenden Beteiligten schienen fast in Trance zu sein.

Zu essen gab es vor dem Gottesdienst nichts, danach um elf ein kleines Stückchen Kuchen. Geschenke spielen kaum eine Rolle.

Dafür gibt es zu Heiligabend Feuerwerk, es knallt hier und dort, auch jetzt nach Mitternacht noch.

Weihnachts-und Abschiedsfeier im Institut

Letzen Freitag Abend war eine sehr schöne und bewegende Weihnachts- und Abschiedsfeier für alle Gruppen, A1, A2, B1, B2 und meine Gruppe B2+.

Traditionell kleiden sich die Leute an Weihnachten in Rot oder Weiß oder eine Kombination davon.

Vor der Feier mit einem Teil meiner Klasse

Der erste Teil der Feier fand im Innenhof statt. Jede Gruppe hat einen Programmteil präsentiert, kleine Theaterszenen zu Weihnachten, auf Deutsch gesprochen, zwei Solo-Gesänge, einen davon, Stille Nacht, hat der pädagogische Koordinator des Instituts präsentiert, Lieder und Tänze. Mit meiner Gruppe habe ich drei Lieder einstudiert und sie mit mir einen Tanz.

Später ging es drinnen zur farewell Party für die Ausscheidenden. Es wurden verschiedene Spiele gespielt, Personen mussten erraten werden, Rätselfragen gelöst, und wer verloren hatte, bekam wahlweise eine halbe Zitrone zu essen oder Bittergurkensaft zu trinken.

Die linke Person muss bei lauter Musik und Kopfhörern von den Lippen ablesen, was die andere Person sagt
Mit den Lehrerinnen Anusha, Gauri, Akhila und Ananya

Am Ende ging es wieder nach draußen, und es wurde bei sehr lauter Musik wild getanzt.

Levy hütet mein Abschiedsgeschenk vom Institut
Das Abschiedsgeschenk meiner Gruppe

Für die meisten meiner Gruppe war es ein Abschied aus der Gruppe in eine unbekannte Zukunft. Sie waren über längere Zeit hier sehr eng zusammen, es haben sich Freundschaften entwickelt. Jetzt müssen sie im Februar ihre Deutschprüfung bestehen, dann können sie über eine Agentur ihr Visum beantragen und im Lauf des Jahres eine Arbeit im Krankenhaus irgendwo in Deutschland aufnehmen.

Es war ein sehr tränenreicher Abschied, auch ich war sehr be- und gerührt. In den Wochen, die ich hier war, sind sie mir alle sehr ans Herz gewachsen und wir hatten auch viel Spaß miteinander, haben gesungen und gelacht.

Kerala relaxed: ein entspannter Sonntagsausflug

Am vergangenen Sonntag sind wir zu viert auf eine total entspannte Bootstour nach Munroe Island gegangen.

Wunderschöne Landschaft
Auf dem Boot
Gruppenbild mit Dame
Weiter Blick
Auf den Luftwurzeln der Mangroven, die Pater klettern mit Leichtigkeit und kindlicher Freude nach oben
Auf einen Stocherkahn umgestiegen
Kaffee und ein süßes Stückchen
Fahrt durch enge Rinnen- Natur pur
Üppige Vegetation
Ein bisschen nass…
Diese kleine niederländische Kirche habe ich schon bei meiner ersten Reise besucht, allerdings nur von außen
Innenraum der Kirche
Rinde eines Zimtbaumes auf dem Gelände
Zimtbaum
Abendstimmung
Ein wunderschöner Tag geht zu Ende

Für die kirchlich Interessierten unter den Blogleser:innen

Religion spielt eine große Rolle in Indien und in Kerala, auch die jungen Menschen sind sehr religiös, und die Kirchen und Tempel sind immer gut besucht. Über 55 % sind Hindus, 24% Muslime und etwas über 18% Christen. Hier in Tiruvalla gibt es offenbar viele Christen, denn an jeder Ecke findet man eine Kirche, Kapelle, einen Ashram, ein kirchliches College, eine Schule, Hostel oder ein kirchliches Krankenhaus. Da ich hier in einem christlichen Ashram untergebracht bin, den man vielleicht mit einem deutschen Kloster vergleichen könnte, und viel von den Traditionen mitbekomme, habe ich mich ein bisschen genauer mit dem christlichen Kerala auseinandergesetzt.

Syro-malankarisch, syro-malabarisch oder lateinisch?

Das sind die drei Riten für Gottesdienstfeiern der katholischen Kirche in Kerala. Auch wenn ich nicht katholisch bin, habe ich an Gottesdiensten nach allen drei Riten teilgenommen und einen eindeutigen Favoriten.

Syro-malankarisch

Der öffentliche Gottesdienst jeden Morgen von halb sieben bis halb acht (sonntags und Festtagen bis um acht) wird nach syro-malankarischem (west-syrischem) Ritus gefeiert. Diese Gottesdienste sind voller Symbolik und hörten sich anfangs für meine Ohren richtig fremd an. Die syro-malankarische Kirche ist eine Ostkirche und mit der römisch-katholischen Kirche verbunden.

Die Liturgen stehen mit dem Rücken zu den Menschen, immer mit Blick zum Altar, der nach Osten ausgerichtet ist. Der ganze Gottesdienst, die Holy Mass, wird in einem lauten Wechselgesang mit der Gemeinde abgehalten, in Malayalam, der Landessprache Keralas, und es gibt immer eine oder mehrere verstärkte Vorsängerinnen.

Der Altarraum ist mit einem Vorhang verhängt, der vor dem Gottesdiensts aufgezogen und danach wieder zugezogen wird
Es gibt zwei Altäre, eine Art Hochaltar, vor dem der Liturg mit dem Rücken zu den Menschen steht und ein kleiner Altar

Frauen stehen oder sitzen mit bedecktem Kopf auf der rechten Seite, Männer auf der linken. Alle lassen ihre Schlappen vor der Kirche und betreten die Kirche barfuß.

Am einem Sonntag hat mich P. Antony in seine Gemeindekirche mitgenommen, etwa 10 km außerhalb von Tiruvalla in einem kleinen Ort gelegen.

Im Mai neu eingeweihte Kirche
Der prachtvolle Altarraum befindet sich hinter dem Vorhang.

Der Vorhang wurde, nachdem er geöffnet war, nach einer halben Stunde wieder geschlossen. Meine Begleiterin, eine Schwester aus dem benachbarten Ashram sagte, das sei nur das Anfangsgebet gewesen. Der Gottesdienst beginne jetzt. Er hat dann noch weitere 1,5 Stunden gedauert mit Gesang, Weihrauch, Glocken und Schellen, einem Tuch, das durch die Bewegung den heiligen Geist ausdrücken sollte. Das Ganze war wie auch hier im Ashram sehr mystisch und wirkte auf mich leicht hypnotisierend, zumal ich außer Halleluja, Kyrie Eleison und Amen kein Wort davon verstanden habe.

Zur Predigt (auch in Malayalam) hat sich P. Antony zu uns umgedreht, und ich habe wieder inhaltlich nichts mitbekommen außer „WhatsApp, Facebook, Instagram und E-Mail“.

Wie bei jedem Gottesdienst wurde das Abendmahl ausgeteilt, und die Menschen sind danach noch einmal nach vorne gegangen, um die Hand zum Segen aufgelegt zu bekommen.

Am Ende des Gottesdienstes hat P. Antony mich öffentlich seiner Gemeinde vorgestellt, was mich leicht verlegen gemacht hat.

P. Antony mit ein paar Gemeindemitgliedern

Syro-malabarisch

Beim syro-malabrischen (ost-syrischem und auch mit Rom verbundenem) Ritus, den P. Antony an einem Tag mit seinem Kollegen aus dem benachbarten College MACFAST gefeiert hat, steht der Priester mal mit dem Rücken, mal mit dem Gesicht zur Gemeinde. Es waren zwei Sängerinnen aus dem College dabei, die wunderschön gesungen haben, richtig zu Herzen gehende Lieder mit schönen Melodien, instrumental unterlegt, nicht nur der manchmal etwas monotone Wechselgesang. Das einzige, was mir gefehlt hat, war der persönliche Segen.

Lateinisch

Der lateinisch genannte Ritus ist ähnlich wie in der deutschen katholischen Kirche. Der Gottesdienst wird auch in der Landessprache Malayalam abgehalten, und es wird sehr viel weniger gesungen und viel mehr gesprochen. Dieser Ritus wirkt gegenüber den anderen beiden fast nüchtern.

Jeden Tag um sieben Uhr morgens wird im Institut ein kurzer Gottesdienst nach diesem Ritus in deutscher Sprache mit den Schülerinnen und Schülern gefeiert.

Die Kapelle im Institut

Familie & Co. in Kerala

Gestern haben wir Aleena, eine Lehrerin, im Haus ihrer Großmutter besucht. Das nehme ich zum Anlass, ein paar Worte über „Familie“ in Kerala zu schreiben.

Aleena mit ihrem Cousin Felix und ihrer Großmutter

Wie in ganz Indien spielt auch in Kerala die Familie eine große Rolle. Wenn ich jemanden neu kennenlerne, ist eine der ersten Fragen, wer alles zu meiner Familie gehöre. Dann nenne ich natürlich alle Familienmitglieder. Hier wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass alle Genannten in einem Haus leben.

Es ist Tradition, dass, wenn der älteste Sohn heiratet, seine Frau dann mit ins Haus seiner Eltern, also zu ihren Schwiegereltern zieht. Die Eltern bleiben in der Regel bis zu ihrem Lebensende im eigenen Haus und werden, wenn sie alt sind, von der Schwiegertochter und dem Sohn versorgt.

Auch noch heute werden Ehen oft von den Eltern bzw. der Familie arrangiert, aber es gibt immer mehr „love marriages“, bei denen sich das Paar findet.

Es regt sich auch Widerstand unter jungen Leuten, vor allem unter gebildeten Frauen. Und dass viele Leute in die Golfstaaten oder nach Deutschland auswandern, trägt mit dazu bei, dass das Familiengefüge brüchig wird. Auch für einige meiner Kursteilnehmer:innen ist diese Lebensweise zu eng, und sie erhoffen sich von einem Aufenthalt in Deutschland mehr Freiheit und Eigenständigkeit.

Die Vereinzelung, wie wir sie kennen, gibt es hier kaum. Die Menschen leben eng zusammen. Das gibt einerseits Sicherheit, Fürsorge und Geborgenheit, andererseits verhindert es eigene Erfahrungen und Entscheidungen. Das Zusammenleben hat ziemlich strenge Regeln, denen sich alle unterwerfen. Auch hier im Institut sind diese Regeln spürbar, wenn z. B. die jungen Menschen aufstehen, wenn ich vorbeikomme.

Älteren Menschen und sozial Höherstehenden wird sehr viel Respekt entgegengebracht. Das ist ein Unterschied zu Deutschland, wo ja die Jugend als Maßstab genommen wird.

Hatten wir gerade im Malayalam-Unterricht gelernt, dass Kinder ihre Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten siezen, da sagte eine Kursteilnehmerin, deren Eltern Malayalis sind, es sei extrem unhöflich, die Eltern zu siezen. Sie spreche ihre Mutter in der dritten Person an. Sie fragt ihre Mutter beispielsweise „Möchte Mutter noch ein bisschen Reis?“ und nicht „Möchten Sie…?“ Geschweige denn „Möchtest du…?“ Die Lehrerinnen, die ich dazu gestern befragt habe, haben das bestätigt.

Dass alte Menschen in Altersheimen leben, wie hier die Männer zum Beispiel, ist eher die Ausnahme. Diese etwa 25 Männer haben keine Angehörigen, die sich um sie kümmern könnten.

Beim Gottesdienst hilft immer ein älterer Mann aus der Nachbarschaft, der alleine lebt, weil seine Frau gestorben ist und alle drei Töchter verheiratet sind und bei den Schwiegereltern leben. Er hat keinen Sohn, der sich um ihn kümmern würde. Auch er ist eher eine Ausnahme.

Es gibt keine Krankenversicherung, und auch zum Beispiel bei einem Aufenthalt im Krankenhaus übernehmen die Angehörigen Aufgaben, die bei uns vom Krankenhaus oder öffentlichen Stellen übernommen werden, wie die Kranken mit Essen oder Medikamenten zu versorgen.

Mit Aleena, ihrer Großmutter und Tante mit kleinem Sohn

Aleenas Tante ist mit ihrem kleinen Sohn wieder zu ihrer Mutter gezogen, weil ihr Mann in den Golfstaaten arbeitet.

Viele Alternativen zu einer Heirat gibt es nicht. Unverheiratet zusammenleben undenkbar, vielleicht in großen Städten. Gleichgeschlechtliche Ehe unmöglich. Als Frau oder Mann allein zu leben ist möglich, aber wenige tun das freiwillig.

Die Pater im Ashram dagegen haben bewusst einen anderen Weg gewählt. Sie leben im Ashram eine Gemeinschaft, die ich als sehr unterstützend und wohltuend erlebe.

Auch die Lehrerinnen und Schülerinnen und Schüler leben eine Art Gemeinschaft, die ihnen in Deutschland sicherlich fehlen wird.

Familie & Co. in Kerala weiterlesen

Feiern über Feiern

Heute haben mich P. Antony und P. Vijoy zu einem Schulfest in die Mittelschule „Stella Maris“ etwas außerhalb von Tiruvalla mitgenommen. Nach vielen Ehrungen einzelner Schüler:innen für schulische und sportliche Leistungen fand ein bombastisches Kulturprogramm statt mit Tanzaufführungen fast aller Klassen, angefangen von den Kleinsten. Ich war richtig geflasht von dem vielfältigen Programm, dem Können der Kinder, der Musik und der tollen Lichtshow. Als Ehrengäste saßen wir in der ersten Reihe, und ich habe von der Direktorin der Schule sogar einen Blumenstrauß überreicht bekommen.

Hier ein paar Eindrücke:

Der Auferstandene
Eine fantastische Licht-und Tonshow
Krishna und Radha
Anmutige Tänzerinnen
Schwester Elisa, die hier winkt, Direktorin diese Schule mit ca. 1.000 Kindern und Jugendlichen.
Das Finale nach knapp drei sehr kurzweiligen Stunden
Nach der tollen Aufführung gab es für uns noch etwas zu essen, Appam, Chapati, Manjok, Gemüse, Fischcurry, Kuchen und Obst.

Die Direktorin Schwester Elisa hat mit das Essen ausgeteilt. Das fand ich richtig toll. Ich hatte sie schon ein paar Tage zuvor auf einem anderen Fest kennengelernt. Ich war unglaublich beeindruckt von ihrer Persönlichkeit, präsent auf der Bühne, aufmerksam, zugewandt, souverän und gleichzeitig sehr bescheiden.

Noch ein Fest

Vorgestern war der letzte Tag eines achttägigen Marienfestes, hier und in anderen Regionen. Vor ein paar Tagen nahm mich P. Varghese in seine Gemeinde 15 km außerhalb von Tiruvalla mit. Dort wurden wir von einer Familie empfangen, die die ganze Gemeinde eingeladen hatte.

Alle Gäste in festlicher Kleidung
Nach einem Gebet geht es auf eine Prozession. Angekündigt wird die Prozession von superlauten Knallkörpern und dem Trommeln einer Chenda Melam-Gruppe
Die aus etwa 10 Trommlern bestehende Trommelgruppe, lautstark und kraftvoll. Leider kann ich hier keine Videos einbinden, ich hätte euch diese magische Musik gerne hören lassen.
Es geht ungefähr einen Kilometer mit Kerzen
Über eine Brücke an festlich geschmückten Häusern vorbei
hin zu dieser Kirche, wo nochmal ein gesungenes Gebet stattfand

Eine Schülerin aus dem Institut hat mich die ganze Zeit begleitet und mich oft vor dem Stolpern in der Dunkelheit auf der holprigen Straße bewahrt. Sie hat mir alles in fast fehlerfreiem Deutsch erklärt. Außerdem war sie eine der Vorsängerinnen bei dem Gebet. Am Ende des Gebets gingen alle in Zweierreihen nach vorne, um vom Priester kurz ein Tuch auf den Kopf gelegt zu bekommen (das den heiligen Geist symbolisieren soll) und so gesegnet zu werden.

Danach gab es für alle etwa 150 Menschen etwas zu essen und zu trinken.

Auch hier im Ashram fand anlässlich des Marienfestes eine Prozession mit anschließendem Gottesdienst und Essen statt. Vorgestern früh nach Abschluss des achttägigen Festes gab es für alle Payasam, eine sehr leckere süße Reisspeise mit Gewürzen, Kokosmilch und cashews.

Hier die Kirche des Ashrams in adventlichem Licht

Impressionen aus dem Alltag

Morgens werde ich spätestens bei Sonnenaufgang um halb sieben wach, wenn fast neben meinem Zimmer der Morgengottesdienst mit einem verstärkten Wechselgesang zwischen Liturg und Gemeinde beginnt und ich diesen Gesang durch die geöffneten Fenster der Kirche höre. Dieser Gottesdienst geht bis acht Uhr. Oft praktiziere ich in dieser Zeit ein bisschen Yoga oder nehme auch mal am Gottesdienst teil.

Da ich im ersten Stock fast neben der Kirche wohne, kann ich durch oberen Fenster in die Kirche hineinschauen
Die Frühstücksrunde trifft sich um acht
Jeden Morgen gibt es etwas anderes zum Frühstück, hier Dosa mit Sambar, einer Gemüsesoße. Frühstück, Mittag- und Abendessen sind immer warm

Um neun beginnt der Unterricht mit acht Teilnehmenden in meiner Klasse. Bis auf eine sind alle ausgebildete Krankenschwestern bzw. Physiotherapeut. Die jüngste ist ausgebildete Tänzerin und möchte gerne eine Ausbildung zur Krankenschwester in Deutschland machen. Sie alle haben im Januar ihre B2 Deutschprüfung am Goethe-Institut, die Voraussetzung für eine Arbeitsaufnahme in Deutschland ist.

Gestern haben wir einen Prüfungstest gemacht. Drei Stunden, von neun bis halb eins, mit kleinen Pausen. Die Bereiche Lesen, Hören und Schreiben waren gestern dran. Am Montag kommt dann das Sprechen.

Alle fleißig beim Schreiben

Um eins gibt es Mittagessen. Im Institut soll mittags zur Übung mit Messer und Gabel gegessen werden, morgens und abends wie gewohnt mit der rechten Hand.

Mittagessen: Reis, Pappadam, frittierte Bittergurke (sehr lecker!), Aviyal (Gemüsecurry), Payar Thoran aus grünen Bohnen, Sambar (Gemüsesoße) und für die „Entschärfung“ eine Joghurtsoße
Jeder wäscht seinen Teller selbst ab. Besteck muss nicht abgewaschen werden, weil ja mit der rechten Hand gegessen wird.
Händewaschen und Mundausspülen nach dem Essen

Nach dem Mittagessen mache ich, wie fast alle hier, einen Mittagsschlaf. Das ist bei den feuchtheißen Temperaturen genau das Richtige.

Montags und donnerstags nachmittags habe ich seit Mitte Oktober selbst online Unterricht in Malayalam, der Landessprache Keralas. Ich bin hier schon mehrfach gefragt worden, warum ich das mache. Ich hatte schon länger vor, eine neue Sprache zu lernen, aber keine Zeit dazu. Jetzt habe ich die Gelegenheit, an der Uni Tübingen als Gasthörerin an einem online Sprachkurs teilzunehmen. Es macht mir großen Spaß, ist eine kleine Herausforderung und schult hoffentlich meinen Geist, die fremden Buchstaben (insgesamt 56) zu lernen und das Lesen und Schreiben zu üben wie eine Schulanfängerin. Die ersten kleinen Dialoge kann ich schon führen.

Um vier Uhr gibt es Tee, wohl ein Erbe der Briten, die Kerala im 18. Jhdt. kolonisiert haben. Und zum Tee gibt es jeden Tag eine andere süße oder salzige Leckerei, immer selbst hergestellt von dem Ehepaar, das die Küche unter sich hat.

Mit zwei der fünf Lehrerinnen Akhila und Ananya

Beim Nachmittagsspaziergang mit den Lehrerinnen Akhila, Ananya, Anusha und Aleena stoppen wir meist an einer kleinen Bude mit Süßigkeiten und kaufen für wenig Geld Süßes. Nicht nur in großen Läden, sondern sogar auch an den kleinsten Buden wird mit Handy per GooglePay bezahlt.

Überall und oft direkt nebeneinander stehen diese Buden, wo es Süßkram und andere wichtige Dinge zu kaufen gibt wie Seife oder Zahnpasta

Abends findet derzeit um sieben ein halbstündiges Gebet bei dieser Marienkapelle statt. Am Ende gibt es immer eine kleines süßes Stückchen.

Die Zeit zwischen sieben und acht ist auch nochmal eine Zeit für mich, zum Telefonieren, Blog verfassen oder auch für Yoga.

Um acht ist Abendessen. Danach gehe ich manchmal rüber zu den Lehrerinnen zum Quatschen oder auch ins Zimmer. Meistens bin ich um neun oder halb zehn sehr müde und gehe ins Bett, ganz ungewöhnlich für mich.

Ach ja, fast vergessen zu erwähnen hätte ich ein Haustier, den Büffel, der das Gras niedrig hält und vor allem für seinen wertvollen Dung gehalten wird.

Außer Gras frisst er Bananenschalen, Reissuppe und pinnakk, den weichen Rest von Kokosnüssen.

Hausbootfahrt und Meer

Vorgestern haben wir mit drei Patern, fünf Lehrerinnen und fünf Schüler:innen einen wunderschönen Tag verbracht. Wir sind mit zwei Autos ins ungefähr 35 km entfernte Alappuzha gefahren und haben von dort eine Hausboottour durch die backwaters gemacht. Die backwaters sind eine mit natürlichen Wasserstraßen, Kanälen und Seen durchzogene Landschaft direkt an der Westküste Keralas zwischen Kochi und Alappuzha.

Unser Hausboot
Zur Begrüßung
Kokosnuss-Milch
Auf dem Vembanadsee, mit 97 km der längste See in Indien
Akhila und Lavy

Wir waren sechs Stunden auf dem Boot. Unterwegs hielten wir an, damit P.Antony und P.Vijoy Fisch kaufen konnten. Zwei Köche haben in der Bordküche ein super leckeres Essen gezaubert. Vor dem Essen wurde zu lauter Musik getanzt und gesungen.

Nach dem Essen konnte ich mich in einem von drei Schlafzimmern ein bisschen ausruhen, bevor ich es für andere frei gemacht habe
Mit den fünf Lehrerinnen Ananya, Akhila, Aleena, Gauri und Anusha
Selfie vor dem Spiegel mit Anusha und Akhila
Anusha wird am 1. Februar ein FSJ in einem Altenheim in Schwäbisch Gmünd anfangen
P. Antony am Steuer
Kokospalmen und Reisfelder
Nach der Bootsfahrt am Strand von Alappuzha
Den Wellen trotzend