Eine indische Hochzeit

Am Sonntag war ich auf eine indische Hochzeit nach hinduistischem Ritus ins 170 km entfernte Thrissur eingeladen, und der Direktor der Sprachschule P. Antony und Gauri, eine Deutschlehrerin, haben mich dorthin begleitet. P. Antony hat es auf sich genommen, die ganze Strecke zu fahren, und Gauri hat mir im Auto vieles über die Hochzeitsrituale erzählt. Natürlich auf Deutsch.

Eine Hochzeit geht über mehrere Tage, und wir waren für den letzten Tag eingeladen. Eine Hochzeit fängt mit „Mehendi“ an, einem Ritual, die Hände der Braut und der weiblichen Gäste kunstvoll mit Henna zu bemalen. Das findet im Rahmen eines ausgelassenen Festes mit Musik und Tanz zwei Tage vor der eigentlichen Hochzeit statt. Mehendi soll dem Brautpaar Glück, Schutz und Segen geben.

Oft folgt auf mehendi am nächsten Tag „Haldi“, ein Fest, bei dem Gesicht, Arme und Beine des Brautpaars mit einer Kurkumapaste eingerieben werden. Bei unserer Hochzeit gab es dieses Ritual nicht, stattdessen ein Ritual mit Rosenblüten.

Unser Brautpaar ist am Tag des großen Festes um 6.30 Uhr in den Guruvayoor Tempel gegangen, um den Segen des hinduistischen Priesters zu erhalten. Der Bräutigam legt der Braut eine Thali-Kette um, eine wertvolle Hochzeitskette aus Gold, die vielleicht unserem Ehering entspricht.

Die Hochzeit selbst findet an einem „Muhurtham“ statt. Das ist ein vom Priester errechneter astrologisch günstiger Zeitpunkt, der dem Paar Glück bringen soll. Auch andere größere Vorhaben werden nach einem „Muhurtham“ geplant.

Der Eingang zum Festsaal Maria Auditorium

Mit P. Antony und Gauri, auf den Beginn der Hochzeitszeremonie wartend

Mit Nibin und seiner Familie. Mit ihm hatte ich seit meinem letzten Rückflug oft Kontakt, und er hat mich zur Hochzeit seiner Schwägerin eingeladen. Die Männer tragen anlässlich der Hochzeit einen weißen Mundu mit einer goldenen Borte.
Der Priester auf der Bühne bereitet den Ritus vor
Die jungen Frauen warten auf das Brautpaar
Zuerst kommt der Bräutigam, in Gelb gekleidet
Dann wird die Braut, in einen roten Sari gekleidet und reich geschmückt, unter einem Baldachin hinein begleitet

Der Priester vollzieht einen Ritus, um das Paar zu segnen. Leider konnte ich das nicht fotografieren, weil die Sicht durch mehrere professionelle Fotografen verstellt war.

Die Brautleute hängen sich gegenseitig eine Mala, eine Blumenkette, um.

Das Brautpaar
Alle Verwandten mit auf der Bühne

Wir wurden von Nibin in den anliegenden Saal gebeten, wo es das Hochzeitsessen gab, Verschiedene wohlschmeckende Currys wie Mangocurry oder Ananascurry und Gemüse mit Reis. Zum Abschluss gab es eine süße Soße für den Reis. Alles unglaublich lecker!

Mein Essen auf einem Bananenblatt. Wenn man fertig ist, wird das Bananenblatt einfach zugeklappt und zusammen mit der Papiertischdecke entsorgt.

Es waren 1.000 Leute eingeladen. Fünf Mal wird die Prozedur wiederholt, Tischdecken mit Bananenblättern zu entsorgen und neue hinzulegen und auszustatten.

Nach dem Essen werden die Geschenke überreicht und natürlich fotografisch festgehalten.

Mit dem Brautpaar und Nibin und seiner Familie
Ein Abschiedsfoto

In der Sprachschule

Die Schule hat 65 Schülerinnen und Schüler, die fast alle auch dort wohnen, zu mehreren in einem Zimmer, ähnlich wie im Hostel. Ich bin in einer Klasse mit acht Schüler:innen, die sich auf die B2 Prüfung am Goethe-Institut vorbereiten.

Ein Teil meiner Klasse

Ich bin drei Stunden am Vormittag dort, von neun bis halb eins, plus je eine Viertelstunde Pause. Um 11.15 Uhr gibt es Tee oder Kaffee für die Lehrer:innen: zwei Pater, die in Deutschland lange Jahre Pfarrer waren und fünf junge Frauen, die die B2 Prüfung hinter sich haben.

Am Nachmittag gegen halb fünf oder fünf gehe ich oft wieder ins Institut, um mit den Lehrerinnen und den Schüler:innen zu sprechen, Tee zu trinken oder spazieren zu gehen. Sie sind alle supernett, aufgeschlossen und freuen sich, dass ich da bin, und ich freue mich wiederum über die herzliche Aufnahme.

Vergangenen Dienstag war eine Reisegruppe aus Pulheim bei Köln im Institut zu Gast mit ihrem indischen katholischen Pfarrer. Schon am Montag Nachmittag wurden Tänze und Lieder geübt, der Schulhof geputzt, am Dienstag Vormittag dann die restlichen Vorbereitungen getroffen.

Eine Schülerin als Moderatorin
Die Begrüßung
Begrüßungstanz
Die Schülerinnen hatten Freude daran, mich zur Feier des Tages in den Sari zu kleiden und mich zu schminken, inklusive Bindi, dem Punkt zwischen den Augenbrauen
Keerthana führt einen klassischen indischen Tanz auf. Sie ist Tanzlehrerin für Bharatanatyam
Ich soll auch etwas sagen und mache bei der 35köpfigen Reisegruppe Werbung für einen Aufenthalt in der Sprachschule

Die jungen Menschen sind sehr gebildet hier. Mit vier Jahren kommen sie in den „Junior KG“, danach mit fünf in den „Senior KG“. Das KG steht für Kindergarten. Der KG ist für alle verpflichtend, wie eine Art Vorschule. Sie lernen im Kindergarten schon das Alphabet in Englisch und Malayalam, der Landessprache Keralas. Beide Sprachen haben unterschiedliche Schriftzeichen. Unterrichtssprache ist in Kerala Englisch, daher sprechen viele Malayalis sehr gut Englisch. Später kommt in der Schule als dritte Sprache noch Hindi dazu, wiederum mit anderen Schriftzeichen.

Ich selbst habe vor einem Monat angefangen, als Gasthörerin an der Universität Tübingen Malayalam zu lernen, eine Sprache mit 15 Vokalen und 41 Konsonanten. Das ist eine ziemliche Herausforderung, schon allein die Schriftzeichen zu lernen, und ich bewundere wirklich die Kinder, die drei Sprachen mit jeweils unterschiedlichen Schriftzeichen lernen und sprechen und schreiben können.

Sonntagsausflug

Die Kathedrale von Tiruvalla, St. John’s Cathedral, ist gerade mal 20 Jahre alt und ersetzte die einsturzgefährdete Vorgängerin
Innenraum mit viel Licht von oben
Die Deckenkonstruktion
Detail
Mit P. Antony
Buden dürfen an einem beliebten schönen Spazierweg nicht fehlen
Abgeerntete Reisfelder

Wo ich jetzt bin

Bethany Institute for Language Studies, erst vor zwei Jahren mit 12 Schüler:innen gegründet, ist heute auf 65 Schüler:innen angewachsen, die fast alle dort auch wohnen

Neben der Sprachschule gibt es hier einen Ashram mit sieben aktiven und mehreren pensionierten Pater, ein Altersheim für zum Teil obdachlose Männer, eine Kirche, einen Friedhof und einen großen Garten. Viel Platz und Grün ganz in der Nähe der Stadt Tiruvalla in Kerala.

Der Ashram mit Kirche
Der Eingang zum Ashram
Mein großes Zimmer, sogar die Yogamatte findet Platz
Blick aus dem Fenster

Mein Zimmer befindet sich im Trakt des Altenheims, direkt neben dem Ashram. Wenn ich aus dem Zimmer trete, kann ich auf den Friedhof sehen.

Teil des Gartens
Einer von zwei Brunnen

Aller guten Dinge sind drei

Hallo ihr Lieben,

da ich von einigen von euch gebeten wurde, wieder einen Blog über meine jetzige Reise nach Indien zu schreiben und mir das Fotografieren und Schreiben auch Spaß macht, habe ich mich dazu entschlossen, euch wieder an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Schaut also gerne ab und zu in den Blog, wenn euch das interessiert.

Diesmal bin ich nach Südindien gereist, um an einer Schule für Deutsch als Fremdsprache mit den Teilnehmer:innen vorwiegend Hören und Sprechen zu üben.

Nach einem anstrengenden Nachtflug, bei dem ich kein Auge zugetan habe, bin ich am frühen Freitagnachmittag auf dem Flughafen Kochi in Kerala gelandet und sehr herzlich von den beiden Patres Antony und Libin in Empfang genommen worden.

Bevor wir uns auf den Weg zum Bethany Institute for Language Studies im Bethany Ashram in Tiruvalla machen, gibt es einen kleinen Zwischenstopp im Mutterhaus. Ein wunderbarer friedlicher Ort am Fluss Periyar, ein Snack mit frischer Ananas, Bananen und Rohkost, Kaffee und Blue Pea Tea, aus frisch gepflückten Blüten.

Nach einer Dusche und Ausruhen geht es viereinhalb Stunden nach Tiruvalla. Für indische Verhältnisse eine kurze Strecke….