Impressionen aus dem Alltag

Morgens werde ich spätestens bei Sonnenaufgang um halb sieben wach, wenn fast neben meinem Zimmer der Morgengottesdienst mit einem verstärkten Wechselgesang zwischen Liturg und Gemeinde beginnt und ich diesen Gesang durch die geöffneten Fenster der Kirche höre. Dieser Gottesdienst geht bis acht Uhr. Oft praktiziere ich in dieser Zeit ein bisschen Yoga oder nehme auch mal am Gottesdienst teil.

Da ich im ersten Stock fast neben der Kirche wohne, kann ich durch oberen Fenster in die Kirche hineinschauen
Die Frühstücksrunde trifft sich um acht
Jeden Morgen gibt es etwas anderes zum Frühstück, hier Dosa mit Sambar, einer Gemüsesoße. Frühstück, Mittag- und Abendessen sind immer warm

Um neun beginnt der Unterricht mit acht Teilnehmenden in meiner Klasse. Bis auf eine sind alle ausgebildete Krankenschwestern bzw. Physiotherapeut. Die jüngste ist ausgebildete Tänzerin und möchte gerne eine Ausbildung zur Krankenschwester in Deutschland machen. Sie alle haben im Januar ihre B2 Deutschprüfung am Goethe-Institut, die Voraussetzung für eine Arbeitsaufnahme in Deutschland ist.

Gestern haben wir einen Prüfungstest gemacht. Drei Stunden, von neun bis halb eins, mit kleinen Pausen. Die Bereiche Lesen, Hören und Schreiben waren gestern dran. Am Montag kommt dann das Sprechen.

Alle fleißig beim Schreiben

Um eins gibt es Mittagessen. Im Institut soll mittags zur Übung mit Messer und Gabel gegessen werden, morgens und abends wie gewohnt mit der rechten Hand.

Mittagessen: Reis, Pappadam, frittierte Bittergurke (sehr lecker!), Aviyal (Gemüsecurry), Payar Thoran aus grünen Bohnen, Sambar (Gemüsesoße) und für die „Entschärfung“ eine Joghurtsoße
Jeder wäscht seinen Teller selbst ab. Besteck muss nicht abgewaschen werden, weil ja mit der rechten Hand gegessen wird.
Händewaschen und Mundausspülen nach dem Essen

Nach dem Mittagessen mache ich, wie fast alle hier, einen Mittagsschlaf. Das ist bei den feuchtheißen Temperaturen genau das Richtige.

Montags und donnerstags nachmittags habe ich seit Mitte Oktober selbst online Unterricht in Malayalam, der Landessprache Keralas. Ich bin hier schon mehrfach gefragt worden, warum ich das mache. Ich hatte schon länger vor, eine neue Sprache zu lernen, aber keine Zeit dazu. Jetzt habe ich die Gelegenheit, an der Uni Tübingen als Gasthörerin an einem online Sprachkurs teilzunehmen. Es macht mir großen Spaß, ist eine kleine Herausforderung und schult hoffentlich meinen Geist, die fremden Buchstaben (insgesamt 56) zu lernen und das Lesen und Schreiben zu üben wie eine Schulanfängerin. Die ersten kleinen Dialoge kann ich schon führen.

Um vier Uhr gibt es Tee, wohl ein Erbe der Briten, die Kerala im 18. Jhdt. kolonisiert haben. Und zum Tee gibt es jeden Tag eine andere süße oder salzige Leckerei, immer selbst hergestellt von dem Ehepaar, das die Küche unter sich hat.

Mit zwei der fünf Lehrerinnen Akhila und Ananya

Beim Nachmittagsspaziergang mit den Lehrerinnen Akhila, Ananya, Anusha und Aleena stoppen wir meist an einer kleinen Bude mit Süßigkeiten und kaufen für wenig Geld Süßes. Nicht nur in großen Läden, sondern sogar auch an den kleinsten Buden wird mit Handy per GooglePay bezahlt.

Überall und oft direkt nebeneinander stehen diese Buden, wo es Süßkram und andere wichtige Dinge zu kaufen gibt wie Seife oder Zahnpasta

Abends findet derzeit um sieben ein halbstündiges Gebet bei dieser Marienkapelle statt. Am Ende gibt es immer eine kleines süßes Stückchen.

Die Zeit zwischen sieben und acht ist auch nochmal eine Zeit für mich, zum Telefonieren, Blog verfassen oder auch für Yoga.

Um acht ist Abendessen. Danach gehe ich manchmal rüber zu den Lehrerinnen zum Quatschen oder auch ins Zimmer. Meistens bin ich um neun oder halb zehn sehr müde und gehe ins Bett, ganz ungewöhnlich für mich.

Ach ja, fast vergessen zu erwähnen hätte ich ein Haustier, den Büffel, der das Gras niedrig hält und vor allem für seinen wertvollen Dung gehalten wird.

Außer Gras frisst er Bananenschalen, Reissuppe und pinnakk, den weichen Rest von Kokosnüssen.


Entdecke mehr von blog.yogakultur.de

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

3 Gedanken zu „Impressionen aus dem Alltag“

  1. Liebe Sigrid, Du bist ja ein gutes Vorbild für Deine Schüler*innen, wenn Du selbst deren Sprache Malayalam lernst. Ich wusste gar nicht, dass Du damit schon im Oktober damit angefangen hast. Das ist bestimmt nicht einfach. Heute Abend gehe ich zum weihnachtlichen Konzert von Karin. Ich stelle es mir schwierig vor, bei sommerlichen Temperaturen in Weihnachtsstimmung zu kommen. Genieße die restliche Zeit. Liebe Grüße. Gert

    1. Lieber Gert,
      ich hoffe, du bist ein bisschen in Adventsstimmung gekommen mit dem Konzert. Ja, ich bin tatsächlich nicht besonders in Adventsstimmung, und ich muss sagen, das fehlt mir schon, die Abende bei Kerzenlicht und Tee, auch der innere Rückzug. Hier ist alles bunt und laut….
      Einen schönen Sonntag!
      Liebe Grüße Sigrid

      1. Liebe Sigrid,
        das Konzert von Karin war schön. Mario ist auch gekommen. In der Kirche ist ein wenig Adventsstimmung aufgekommen, doch draußen auf dem Weihnachtsmarkt war es auch bunt und laut. Jetzt mache ich mich gleich auf zu meinem sonntäglichen Spaziergang zum Bonameser Flugplatz. Gestern habe ich schon Kräuter gesammelt.
        Dir eine gute Woche.
        Liebe Grüße
        Gert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert