Über Ayurveda – Die Doshas

Ayurveda ist mehrere tausend Jahre alt, wie Yoga, und Yoga und Ayurveda hängen eng zusammen.

Ayurveda heißt: das „Wissen vom Leben“. Es umfasst die Bereiche Ernährungslehre, Yoga und Meditation, Pflanzenheilkunde, Reinigungstechniken (dazu zählen auch die Massagen) und Lebensführung oder -Rhythmus. Auch der Schlaf spielt eine große Rolle. Ayurvedische Medizin ist ein akademisches Lehrfach und wird in 5 Jahren plus ein praktisches Jahr an der Universität studiert.

Die ayurvedische Lehre geht von verschiedenen Konstitutionstypen, den Doshas, aus. Über die Doshas hat Dr.Jomi, einer der Ärzte hier, einen interessanten Vortrag gehalten.

Zu jedem Dosha gehören bestimmte körperliche oder geistige Merkmale, wie Essensvorlieben, wie der Stoffwechsel funktioniert, z.B. die Verdauung, Wettervorlieben, usw.

Es gibt drei Grundtypen und vier Mischtypen. Die Grundkonstitutionstypen sind Vata, Pitta und Kapha. Jeder Mensch besitzt alle drei Doshas, in seiner individuellen Ausprägung.

Wenn jemand vorwiegend Vata ist, hat er oder sie eine trockene Haut und Haare, ist feingliedrig oder dünn und hat oft kalte Hände und Füße. Er/sie wird mit einer Krähe verglichen, die unstet ist und mal da und mal dorthin fliegt.

Wenn jemand vorwiegend Pitta ist, ist der Körperbau etwas kräftiger bis athletisch, ihm/ihr ist es oft warm, und er/sie ist körperlich stark und hat einen scharfen Verstand. Das Tier dazu ist der Tiger. Wenn der Tiger satt ist und gut geschlafen hat, ist alles in Ordnung. Aber wehe, wenn nicht! Beim Vortrag von Dr.Jomi musste ich dauernd lachen, weil ich mich ertappt oder erkannt gefühlt habe 😄.

Menschen mit Kapha haben einen schweren kräftigen Körperbau, sind langsam und nicht aus der Ruhe zu bringen. Sie gelten als liebevoll und zuverlässig und werden mit Elefanten in Verbindung gebracht. Elefanten sind ruhige und gesellige Tiere.

Die Doshas speisen sich aus den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde
Vata setzt sich zusammen aus Raum und Luft und steht für das Prinzip Bewegung in jeglicher Hinsicht, Pitta aus Feuer und Wasser und steht für das Prinzip Stoffwechsel (Transformation), Kapha aus Wasser und Erde und steht für das Prinzip Stabilität.

Konstitutions-Mischtypen sind Vata-Pitta, Vata-Kapha, Pitta-Kapha und das sehr seltene Tridosha Vata-Pitta-Kapha zu gleichen Teilen.

Es geht im Ayurveda aber nicht darum, Menschen in Schubladen zu stecken, sondern ganz im Gegenteil darum, die einzigartigen individuellen Ausprägungen des einzelnen Menschen zu erkunden und möglichst danach zu leben, um bestmögliche Gesundheit zu erreichen.

Oder anders herum gesagt, entstehen nach der ayurvedischen Lehre Krankheiten durch ein Ungleichgewicht in den Doshas bzw. durch Nichtbeachten der eigenen Merkmale.

Ich habe mich über einen Selbsttest hier als Mischtyp Pitta-Vata eingeschätzt. Bei dem Test werden äußere Merkmale wie Statur, Haut, Haare, Augen, Nase, Mund, Bauch, Hüften usw. erfasst, innere Vorgänge wie Schlaf, Träume, Appetit, Durst, Verdauung, Stuhlgang, Merkmale wie Angst, Wut, Neid und Sprache, Erinnerungsvermögen, Intellekt erfasst.

Im Internet gibt es sehr viele Selbsttests, die aber natürlich alle nur annähernd genau sein können. Bei meiner Abreise in knapp einer Woche erfahre ich, wie die Verhältnisse der Doshas genau sind, nach Auswertung aller Daten.

Hängematte ist genau das Richtige für mich, als Ausgleich für meine manchmal zu aktiven Anteile

Ayurvedakur Tagesablauf, Anwendungen und Yoga

Kurz vor Sonnenaufgang

Der Tag beginnt mit einem gut einstündigen Spaziergang um 6.15 Uhr durch die wunderschöne Landschaft, an Seen und einzelnen Häusern entlang und auch mal ein bisschen bergauf und bergab. Unsere Wanderführerin ist Charulatha, die auch die Yogastunden abends leitet.

Die Anwendungen

Nach dem Frühstück mit Porridge, Fingerhirse und verschiedenen leckeren Zutaten wie cashews, Chiasamen u.a. sowie indischen Gerichten kommt das „major treatment“, bei mir bisher täglich eine einstündige vierhändige Ganzkörpermassage mit warmem Kräuteröl. Diese Massagen genieße ich sehr. Sie helfen, Stress abzubauen und die Haut und Muskeln weich zu machen. Auch geben sie mir ein Gefühl von Fließen, im Moment sein, Geborgenheit. Seit gestern ist noch eine Kräuterstempelmassage im Anschluss daran dazugekommen. Vor und nach der Anwendung wird jeweils der Blutdruck gemessen. Am Nachmittag das „minor treatment“, ein Stirnguss mit lauwarmen Kräuterauszügen. Danach zur Erkältungsvorsorge Nasentropfen und eine Paste auf den Scheitel. Seit gestern, weil ich leicht erkältet war, habe ich statt Stirnguss eine Schulter-Nackenmassage erhalten.

Zum gestrigen internationalen Frauentag gab es als Geschenk eine Gesichts- oder Fußmassage extra 😇.

Irgendwann im Laufe des Tages die Besprechung mit den Ärzt:innen. Sie fragen nach dem Befinden, Schlaf, Hunger, Verdauung, fühlen den Puls, schauen sich die Zunge und die Augen an. Jeden Tag wird neu über die Anwendungen, die ayurvedische Medizin oder irgendwelche Reinigungsprozeduren entschieden.

Ich nehme ayurvedische Medikamente, die meinen Blutdruck regulieren. Nach dem Frühstück und Abendessen einen Kräutertrunk für Blutfette und Leber, zum Tee einen Ingwer-Honig-Shot, das ist alles okay. Das Unangenehmste ist am Abend ein Getränk aus heißer Milch, rohem Knoblauch und Ghee (Butterschmalz).

Yoga

Von halb sechs bis halb sieben abends ist Yoga, manchmal auch morgens parallel zum morning walk, wenn abends andere Aktivitäten stattfinden wie ein Vortrag über Ayurveda oder eine ayurvedic cooking class.

Nach der Yogastunde heute

Anfangs habe ich meinen gewohnten Flow sehr vermisst und musste mich an die andere Unterrichtsform sehr gewöhnen. Charulatha ist unsere Yogalehrerin, die sich auch sonst um sehr viel kümmert. Meistens werden zuerst Kopf, Finger, Hände und Schultern bewegt, Zehen, Füße und Beine, alles im angesagten Takt, und öfter gibt es Übungen am Geländer z. B. für die Hüftöffnung. Die mag ich besonders gerne. Im Lauf der Stunde verschiedene asanas, mal Standhaltungen, mal Rückbeugen. Immer wird gezählt, wie lange eine Stellung zu halten ist, mal fünf, mal acht oder zehn Sekunden. Das kann manchmal ganz schön lang werden. Am Ende der Stunde meist ein paar Atemübungen, danach ein kurzes Mantrensingen. Am Anfang und Ende om tönen, die Hände reiben und auf die Augen legen. Vor allem das Zählen war für mich fremd, aber nach einer kurzen Zeit habe ich mich daran gewöhnt.

Das ist die wunderbare yoga hall in Lake and Mountains

Leider findet Yoga oft im dazugehörigen am anderen Ufer liegenden Healing Island auf einer nicht so tollen Terrasse statt. Grund dafür sind die laut übertragenen Gottesdienste in der Kirche, die direkt neben unserem Ayurvedazentrum liegt. Ein anderer Grund wird der sein, dass die yoga hall über der Küche liegt und während der Yogastunde die Essensvorbereitungsdüfte nach oben steigen.

Vorletzte Etappe Berge, Seen, Ayurveda and more

Vor ein paar Tagen bin ich um halb sieben losgefahren, erst mit der Autorikscha zum nächsten Busbahnhof nach Adimali, von dort in einem übervollen Bus 2 Stunden nach Thodupuzha, und dann noch gemütlich eine halbe Stunde nach Kudayathoor, wo die Ayurvedaklinik Lake and Mountains ist. Die Lage ist traumhaft: in den Bergen, direkt a einem See gelegen.

Ich wohne in einem kleinen Häuschen mit Blick zum See und ziehe morgen in ein größeres um, wo ich mehr Platz, z. B. für Yoga habe. Auf der anderen Uferseite ist Healing Island, der andere Teil der Klinik, wo meistens Yoga auf einer luftigen Terrasse stattfindet.

Kurz nach Sonnenaufgang
Blick von der Yogaterrasse beim Sonnenaufgang gestern
Mein Cottage
Heute bei der Morgenwanderung, Beginn 6.15 Uhr

Als erstes nach der Ankunft hatte ich ein Aufnahmegespräch mit einer Ärztin, dann gleich eine Kopf-, Rücken- und vierhändige Ganzkörpermassage mit warmen Kräuteröl. Nach dem Mittagessen und Mittagsruhe am Nachmittag nach einer Kopfmassage einen Stirnguss. Wie fast ganz Kerala ist die Klinik hier christlich, daher wird vor jeder Anwendung ein Teil des Rosenkranzes auf Malayalam, der Landessprache Keralas, gebetet, auch wenn manche Therapeutinnen nicht christlich sind.

Die anderen Tage hatte ich nochmal das gleiche Programm.

Vorgestern morgen gab es in der nahegelegenen Kirche einen Gottesdienst, der laut nach außen übertragen wurde, weil die kleine Kirche nicht alle 200 Gottesdienst-Besucher:innen fassen konnte. Auch gestern morgen um halb sieben zum Beginn der Fastenzeit ein gesungener Gottesdienst, der bis über den See bei unserer Yogastunde zu hören war. Die behandelnden Masseurinnen und der leitende Arzt hatten dementsprechend heute auch alle ein Aschekreuz auf der Stirn.

Als Kontrastprogramm zum christlichen Gottesdienst ruft vom gegenüber liegenden Ufer fünf Mal am Tag der Muezzin zum Gebet, das erste Mal um 5.23 Uhr. Das frühe Rufen ist offensichtlich dem derzeitig stattfindenden Ramadan geschuldet. Um den sicheren Einstieg in den Fastentag zu gewährleisten, findet der erste Ruf noch vor der Morgendämmerung statt.

Kirche mit Außenübertragung
Neue Kirche im Bau

Interessant ist dieses Jahr, dass die christliche und muslimische Fastenzeit zusammenfallen.

Über meine Erfahrungen in der Ayurvedakur schreibe ich in einem gesonderten Blogbeitrag. Hier erfahre ich am eigenen Leib, dass Ayurveda kein Wellnessprogramm ist, sondern eine über 3.000 Jahre alte ganzheitliche Heilkunde, die gesunde Ernährung inklusive Verdauung, Lebensstil, Schlaf, Yoga, Kräutermedizin und verschiedene Anwendungen umfasst. Wir hatten die letzten beiden Tage Vorträge über Ayurveda und heute abend einen Kochkurs.

Wo der Pfeffer wächst…..

Pfefferernte und weitere Verarbeitung

An zwei Vormittagen habe ich bei der Pfefferernte mitgemacht, und gestern durfte ich die weiteren Arbeitsschritte mit verfolgen. Das fand ich sehr spannend!

Ratheesh baut geschätzt 200 Pfefferpflanzen auf Terrassen an und produziert rund 500 kg schwarzen Pfeffer, den er an einen Großhändler verkauft. Die Pflanzen können ca. 30 Jahre Früchte tragen.

Die Pfefferpflanzen (Piper nigrum) klettern an einem dornigen Stamm bis zu 4 Meter hoch, in der Natur sogar bis 10 m.

Der dornige Stamm, an dem die Pflanzen hochklettern

Die Pfefferpflanze bildet Früchte aus, die an einer Rispe zusammenhängen. Sie werden unreif geerntet, wenn sie noch grün sind. Manche Pfefferkörner waren auch schon leicht rötlich.

Grüner unreifer Pfeffer, enthält den Wirkstoff Piperin

Ratheeshs Vater und ein Nachbar ernten schon seit Wochen Pfeffer, der Vater unten an den Pflanzen, der Nachbar lehnt eine Bambusleiter an den Stamm und sammelt oben.

Der Nachbar mit der Leiter, die rechts und links vom Stamm kurze Tritte hat. Ein Tuch als praktischer Sammelbeutel
Mit den Füßen werden die Pfefferkörner von der Rispe gelöst
Die Pfefferkörner fallen durch dieses Sieb
Ratheeshs Mutter befreit die Körner vom „dust“ (Staub).
Ratheeshs Vater streicht die Pfefferkörner auf einer Unterlage aus. Nach ein paar Tagen sind die Körner schwarz und getrocknet.
Getrockneter und frischer Pfeffer, der „dust“ auf der kleinen Unterlage vorne wird als Schleifmittel für Zahnpasta weiter verarbeitet

Diese oben beschriebenen Arbeitsschritte werden seit mehreren Wochen Tag für Tag so ausgeführt. Für eine halbe Tonne Pfeffer sehr viel Arbeit.

Wenn ich das nächste Mal im Laden Pfeffer kaufe, werde ich sicher daran denken, wieviel Arbeit darin steckt.

Gewürzgarten im Paradies

Das Haus von Ratheesh und seiner Familie befindet sich in einem großen Gewürzgarten mit vielen Gewürzen. Hier eine Auswahl:

Pfeffer, er wächst als Kletterpflanze an einem dornigen Baumstamm hoch. Jetzt ist er -wenn auch noch unreif- erntereif. Über die Pfefferernte und die weitere Verarbeitung schreibe ich im nächsten Blogbeitrag.
Kurkuma
Cardamom, wird getrocknet
Unreife Kakaofrucht, wird später orange
Nelken, vom Nelkenbaum heruntergefallen, werden hart und dunkel nach dem Trocknen. Die Nelken werden eigentlich in mühsamer Kleinarbeit vom Baum gepflückt.
Kaffeeknospen
Muskatnuss, doppelt geschützt, eine äußere weiche Schale, die Muskatnuss befindet sich in einer Art Nussschale, um diese Nussschale herum die sogenannte Muskatblüte

Ein besonderer Tag

Beim Besuch in einem nahegelegenen christlichen Ashram (ich bin dort einfach hineingegangen, weil vor der Tür eine Fußmatte mit „welcome“ lag) tätigt der freundliche Father Alexis bei einer Tasse Kaffee sofort einen Videoanruf beim zugehörigen Bethany Institute for language studies in Tiruvalla. Ich werde eingeladen, die Schule am nächsten Tag zu besuchen und mit den Schüler:innen dort zu sprechen.

Tiruvalla ist 140 km entfernt, 4 Autostunden. Ich bin am Überlegen: es wird sicher sehr anstrengend, die Hitze, 4 Stunden hin, 4 zurück am gleichen Tag, Autofahren, den ganzen Tag auf den Beinen, wer weiß, was mich erwartet usw… Aber dann entscheide ich mich doch dafür und bin vorgestern Abend richtig erfüllt zurückgekommen.

Tiruvalla ist eine Stadt mit 52.000 Einwohnern. Die Stadt ist bekannt als „Town of Non-resident Indians“, eine überalterte Stadt, weil viele auswandern.

Die Schule für deutsche Sprache befindet sich in einem Ashram, der auch ein Wohnheim für obdachlose und arme Männer und ein Altersheim beherbergt.

Vor und nach dem Mittagessen spreche ich mit drei jungen indischen Lehrerinnen, die sehr gut Deutsch sprechen, und mit den Kursteilnehmer:innen.

Die Schulklasse mit dem Direktor in der letzten Reihe und rechts daneben den drei Lehrerinnen

Ich treffe 25 junge Menschen, die Deutsch lernen, weil sie nach Deutschland emigrieren wollen, zur Ausbildung oder Arbeit als Krankenschwester oder Pfleger, zum Studium oder zur Ausbildung in anderen Berufen. Alle hoch motiviert und voller Energie

Eine junge Frau erzählt, sie habe schon einen Ausbildungsplatz als Krankenschwester im Marienhospital in Erftstadt bei Frankfurt. Für die Vermittlung durch eine Agentur, die auch Zeugnisse u.ä. übersetzt und sich um die Formalitäten kümmert, hat sie -auch für unsere Verhältnisse- sehr viel Geld bezahlt. Eine andere, schon ausgebildete Krankenschwester verdient in Indien umgerechnet 250 Euro im Monat. Sie lässt ihre drei Kinder erstmal bei Mann und Großeltern in Kerala. Ein junger Mann wird zu seiner Frau nach Gelsenkirchen fahren und sich dort ein neues Leben aufbauen. Diese Lebensgeschichten berühren wirklich mein Herz.

Diese jungen Menschen möchten ihre Heimat verlassen, und dabei ist Kerala kein armes, sondern ein relativ reiches und sehr schönes Land mit viel Grün und Wasser, und die Menschen, die ausreisen möchten, sind hochgebildet.

Im Schulhof
Tür eines Klassenzimmers
Schulleiter Fr. Varghese, nochmal ein Fr. Varghese, Leiter des Ashrams, und Fr. Joby, der bald seine Doktorarbeit in der Schweiz schreiben wird

Der Schulleiter und der Leiter des Ashrams haben beide viele Jahre in Deutschland bzw. der Schweiz gelebt und sprechen natürlich hervorragend Deutsch. Vor anderthalb Jahren wurde die Schule gegründet und Varghese hat nach seinem Ruhestand als katholischer Pfarrer in Augsburg die Leitung übernommen.

Nach dem Treffen mit den Deutschlernenden wird mir ein Zimmer mit Bett und Dusche zugewiesen, in dem ich mich anderthalb Stunden ausruhen kann. Leider wird die Mittagsruhe ein bisschen durch den lauten Fernseher des Obdachlosenheims gestört.

Die ganze Fahrt wäre nicht möglich gewesen, hätte sich nicht Fr. Benjamin bereit erklärt, mich nach Tiruvalla zu fahren. Er hat mich um 6.00 Uhr hier abgeholt, und wir sind nach viereinhalb Stunden (inklusive Frühstück unterwegs) in Tiruvalla angekommen. Die Rückfahrt dauerte sogar fünfeinhalb Stunden (inklusive Abendessen). Benjamin ist ein sehr umsichtiger Fahrer und ein offener und sehr sympathischer liebenswürdiger Mensch. Wenn er nicht katholischer Pfarrer und so viel jünger als ich wäre, könnte ich mich direkt in ihn verlieben 😊. Wir hatten schnell einen Draht zueinander, und die Fahrt war kurzweilig und vergnüglich 😁. Eine ganz besondere Begegnung, für die ich sehr dankbar bin.

Mit Benjamin, meinem Fahrer (und Pfarrer)

Im Paradies 😁

Nach drei Tagen im Hotel in der Nähe von Munnar bin ich gestern in ein schönes ruhiges homestay (= Unterkunft mit Familienanschluss) umgezogen. Das homestay liegt ganz abseits inmitten einer Gewürzplantage. Es ist hier schön, eine friedliche Atmosphäre, viel Grün und Wasser in der Nähe. Und keine Moskitos! 😁 Das ist wirklich ein Glücksfall.

Der gemeinsame Esstisch
Meine Terrasse mit Platz für Yoga und Hollywoodschaukel
Grünes Paradies
Der Fluss, in dem man schwimmen kann

Gleich nach meiner Ankunft gab es eine Führung durch die Gewürzplantage: Pfeffer, Kurkuma, Ingwer, Cardamom, Zimt, Nelken, Muskatnuss, Kaffee, Kakao, …. Fotos folgen später. Heute habe ich mitgeholfen, Pfeffer zu ernten, ich kann das Sammeln nicht lassen 😉.

Das Frühstück: frisches Obst, Idli (Reisküchlein), Sambhar (Gemüsecurry) und Kokosnusschutney

Es gibt hier Frühstück und Abendessen, wer möchte, auch Mittagessen und Kaffee oder Tee tagsüber. Außer mir sind zwei israelische Paare hier, morgen kommt noch eine alleinreisende Deutsche an.

Der Gastgeber Ratheesh ist sehr hilfsbereit und immer zur Stelle.

Meine Gastfamilie

In den Bergen bei Munnar

Nach einer abenteuerlichen fünfstündigen Busfahrt (inklusive Zusammenstoß mit einem Bagger) bin ich in Anachal bei Munnar angekommen. Die Unterkunft in einem Hotel an der Straße nach Munnar, tagsüber etwas laut, nachts doch relativ ruhig. Sandeep ist ein sehr hilfsbereiter Gastgeber, der mir eine geführte Wanderung und eine Sightseeingtour mit Doppeldeckerbus vermittelt.

Von einem Aufenthalt in den Bergen hatte ich jedoch ganz andere (romantische) Vorstellungen und habe eine schlaflose Nacht. Sandeep vermittelt mir dann nach ein paar Tagen auch ein homestay nach meinem Geschmack.

Wanderung

Ein paar Bilder der Wanderung durch Teeplantagen, Grasland und Wald

Der höchste Berg in Kerala
Sri, der tolle Wanderführer mit seinen Teilnehmenden
Teeplantagen
Teeblätter, nur die oberen Blätter werden von Hand geerntet, eine sehr mühsame Arbeit an steilen Hängen in der heißen Sonne,von Frauen ausgeführt
Oben auf dem Berg gibt es Frühstück, von Sris Frau frisch gekocht: Chapati, Sambhar und Kokosnusschutney, zum Nachtisch Bananen

Sightseeingtour

Gestern habe ich mit dem Doppeldecker eine Sightseeingtour gemacht. Den Doppeldecker gibt es seit zwei Wochen, daher waren vorwiegend Leute aus der Gegend an Bord. Ich war die einzige Ausländerin.

Tolle Ausblicke auf Teeplantagen, die Bergkette der Westghats und Seen

Auf der Tour lerne ich Dona und ihre Mutter Hepsi kennen. Wir freunden uns ein bisschen an. Dona hat ihren Abschluss in englischer Literatur gemacht und einen Gedichtband veröffentlicht, den sie mir schenkt. So schön! Hepsi ist Lehrerin für Tamil und geht jetzt mit 56 Jahren in Rente.

Hepsi, Dona und ich

Die beiden begleiten mich mit ihrem Auto zu einem Tee- und Gewürzladen und beraten mich. Auf der Rückfahrt laden sie mich zum Mittagessen in ihr schönes Haus ein. Darüber freue ich mich sehr!

Am besten schmecken mir die roten Beete 🙂, auch alles andere ist sehr lecker.
Am Ende gibt es noch einen selbstgemachten Traubensaft, ohne Alkohol.
Dona und Hepsi

Sie bringen mich wieder mit dem Auto in mein Hotel. Ich bin richtig glücklich über diesen schönen Tag.

Nachtrag: Ich wollte mich nochmal mit den beiden treffen, aber leider schrieb mir Dona, dass sie schon auf dem Weg nach Dubai ist, wo sie zwei Monate bleiben wird. Ihr Bruder mit Frau und Kind lebt und arbeitet dort, und sie möchte auch dahin übersiedeln und dort als Englischlehrerin arbeiten.

Ihre Mutter und ihr Vater werden voraussichtlich im Mai für ein halbes Jahr ihr schönes Haus verlassen und nach Dubai gehen, um nahe beim Enkelkind zu sein. Das ist indischer Familienzusammenhalt.

Kochi in Südindien

Zwei Nächte war ich in diesem Hotel, dann musste ich umziehen.
Blick aus dem Fenster
Blick vom Fenster in die andere Richtung auf die Basilica di Santa Cruz. Jeden Morgen hörte ich die gesungene Morgenmesse.
Basilica di Santa Cruz in voller Pracht
Innenraum
Schild vor der katholischen Schule
Kathakali Tanzaufführung, von Männern performt. Der Mann auf der linken Seite konnte gesondert mit den Augen, mit den Augenbrauen oder mit den oberen Wangenmuskeln zum Rhythmus der Trommeln tanzen, ohne den weiteren Körper zu bewegen. Unglaublich!
Chinesische Fischernetze
Die Princess street im christlichen Viertel, Erbe der Niederländer. In Kochi mutet alles sehr europäisch an, Hier waren Portugiesen, Niederländer und Briten als Kolonisatoren.
Modernes Café mit Kunst, hier gab es einen sehr leckeren Espresso
Sonnenuntergang am Meer

All die schönen Bilder können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich mich gerade ein bisschen fühle wie aus dem Nest gefallen. Ich bin zwar in einer wunderbar sauberen Unterkunft, hatte ein paar nette Begegnungen und auch Unterstützung, aber es fehlt die Wärme und das Lachen der Menschen von Kalahrdaya.

We are missing you, schrieben Saju und Kali. I am missing you too, habe ich zurückgeschrieben. Und weiter: I am missing you three, mit Bezug auf einen öfter wiederholten Scherz.

Es ist nicht leicht, wieder alleine zu sein, alles selbst zu organisieren, alles ohne Begleitung zu machen, alleine essen zu gehen, alles alleine zu entscheiden.

Heute (18.02.2025) war ein Tag voller Herausforderungen. Angefangen hat es mit einem Missverständnis über die Dauer meines Aufenthalts im Hotel, was dazu führte, dass ich ein neues Zimmer suchen musste. Zum Glück habe ich schnell eins gefunden, in dem homestay, in dem ich vor sieben Jahren schon war. Ich freue mich jetzt schon auf das leckere Frühstück morgen. Dann entfliehe ich der schwülen Hitze hier und fahre in die Berge.

Am nächsten Morgen: Selin, Sajus Schwester, die in der Nähe von Kochi lebt, holt mich an der water Metro Station in Ernakulam ab und bringt mich zum Bus.

Letzte Impressionen Kalahrdaya

Sonnenaufgang gestern, mit blauem Himmel
Einer von vier Teichen. Die Fische werden mit Bananenschalen gefüttert. Den Rest des Essens bekommen die Katzen, die sind hier Allesfresser.
Beim Fischen im Teich
Auf dem Weg zur Küche
Mashi bereitet die Mischung für paneer, den indischen Rahmkäse vor
Bananenblüten vorbereiten
Sonnenuntergang um halb sechs
Die beiden Mashis, die guten Geister
Mein Lieblingsessen zum Abschied: Bananenblüten und paneer
Saju, Kali und Dhruba nach dem Abendessen
Katja, Sandra und Melanie

Zum Abschied gibt es indisches Kingfisher Bier. Es tut mir sehr leid zu gehen. Ich habe mich sehr wohlgefühlt.

Dhruba, Father Thottam, Kali, Saju, Katja, Sandra, Melanie
Blick aus meinem Fenster heute morgen

Saju bringt mich zum Flughafen für meinen Flug nach Kochi in Südindien, wo ich vor sieben Jahren schon war. Im Auto gibt er mir den Kontakt seiner Schwester, die in Kochi lebt und die sich schon bei mir gemeldet hat. Saju reserviert für mich ein homestay in der hill station Munnar, wo ich ein paar Tage bleiben und mir Tee-, Kaffee- und Gewürzplantagen ansehen möchte. Alles so nebenbei im Auto.

Auf dem Weg zum Flughafen